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Presse

Schwäbische Zeitung 25.Juni 2019 
von Mark Hildebrandt
„Leben wie Udo Lindenberg“
Verein will am Bodensee ein Wohnhotel bauen


Mitstreiter sucht ein Tettnanger Verein, der in der Region ein „Wohnhotel“ gründen möchte. Dahinter steckt die Idee einer Wohnform beispielsweise für Menschen, denen Haus oder Wohnung zu groß geworden ist und die Anschluss haben wollen.

Zugleich soll das Projekt den Komfort eines Hotels bieten, mitsamt Reinigung und Frühstücksbuffet.

Das Gebäude steht noch nicht, das Ganze ist erst einmal ein Konzept, das aber immer detaillierter wird. „Leben wie Udo Lindenberg“, beschreibt eine Teilnehmerin bei einem der Treffen scherzhaft die Idee dahinter.

Ich lebe gern mit anderen Menschen zusammen. Martin Schöneich aus Kressbronn

Der Rockstar wohnt seit mehr als 20 Jahren im Hotel Atlantic Kempinski in Hamburg. Und eben diesen Komfort soll es auch für die Bewohner geben. Wobei der Musiker sich wohl selten eine Schürze umbinden dürfte. Das aber gehört zum Konzept des Wohnhotels dazu.

„Ein normales Hotel braucht etwa 40 Zimmer“, sagt Mitinitiator Christian Knapp. Beim Wohnhotel soll das durch Synergieeffekte anders sein. Denn das Konzept sieht vor, dass die Bewohner selbst im Hotel- und Cafébereich unterstützen und dort Aufgaben übernehmen.

Mit dem Projekt sollen etwa 4,5 Arbeitsplätze geschaffen werden, inklusive einem im Hotelgewerbe erfahrenen Geschäftsführer. Aber die Eigenleistung soll dafür sorgen, dass sich das Wohnhotel trägt.

Das Grundstück fehlt noch

Gesucht ist ein Grundstück, auf das ein Gebäude mit 12 bis 16 Apartments sowie zehn bis zwölf Gastzimmern gebaut werden kann – unter anderem inklusive Café für Frühstück und Mittagstisch, Veranstaltungssaal oder einer Bibliothek.

Wenn in einem Hotelzimmer gerade kein Gast eingebucht ist, können Bewohner auch ihre eigenen Besucher darin unterbringen. Bei Feiern kann der Festsaal gebucht werden, der aber auch für Veranstaltungen zur Verfügung steht. So die Idee.

Martin Schöneich aus Kressbronn findet, dass die Idee etwas für sich hat. „Ich lebe gern mit anderen Menschen zusammen.“ Und so sei es möglich, später auch als Rentner noch etwas weiterzuarbeiten und einen Beitrag zu leisten. Schon seit Jahren, verrät er, träume er zudem von einem Café.

Wohnprojekt soll nicht abgeschottet sein

Das Ganze solle dabei „kein abgeschottetes Wohnprojekt“ sein, sagt Sabina Leichs-Knapp, sondern eine Schnittstelle zum Wohnort. Ein Treffpunkt eben, wo jeder hinkommen könne. Das Café etwa soll ein ganz normales sein – wie jedes andere auch. „Da finden Begegnungen statt“, sagt die Kressbronnerin Silvia Stuhlert.

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Dabei sei wichtig, dass es kein Seniorenhotel, keine Pflegeeinrichtung und auch keine gemeinsame Wohnform sei, betont sie. Sprich: Es ist keine Wohngemeinschaft.

Stattdessen solle es Apartments geben, wo man zur Miete leben könne, sagt Christian Knapp. Hinzu kommt eine finanzielle Kapitaleinlage. Mit der erwirbt man kein Eigentum, sondern erhält sie zurück, wenn man auszieht.Die Höhe beträgt etwa 70 000 bis 80 000 Euro.

Projekt könnte vier Millionen Euro kosten

Dem liegt zugrunde, dass der Verein von Baukosten von etwa vier Millionen Euro ausgeht. Die Einlage entspricht in der Summe für alle Teilnehmer etwa 20 Prozent Eigenkapitalquote.

Der Rest soll über Geschäftsanteile finanziert werden. Deren Verzinsung soll durch den Seminarbetrieb und die Mieten gedeckt werden.

Die Gemeinschaft entscheidet, welche Bewerber einziehen können. Es gebe auch bei vorhandenen finanziellen Mitteln keine Garantie. Fördermöglichkeiten für sozial Schwächere sieht der Verein aus eigener Kraft nicht.

Allerdings, so Sabina Leichs-Knapp: Wenn sonst alles passe, könne der Bewerber das eventuell über Fördertöpfe versuchen, möglicherweise gebe es ja auch Sponsoren unter Verwandten und Freunden.

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In jedem Apartment solle es eine kleine Pantry-Küche geben, sagt Sabina Leichs-Knapp. Jeder Bewohner könne die Angebote im Hotel nutzen oder auch nicht, da sei man frei.

Der Frühstücksraum, das Café, das sind Angebote. Und auch bei der Eigenleistung sei eine Bandbreite denkbar. So könne die Höhe der Miete umso geringer sein, je mehr man sich einbringe. Das hänge letztendlich auch von der eigenen Lebenssituation ab.

Teilnehmer fordert Unterstützung von Kommune

Relativ zentral soll das Grundstück zudem in einer Kommune in der Nähe des Bodensees liegen, sagt Sabina Leichs-Knapp. Schließlich sei wegen des offenen Konzepts eine gute Erreichbarkeit wichtig, auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln.

Die jeweilige Kommune müsse das wollen und auch politisch unterstützen, sagt eine Teilnehmerin aus Ravensburg. Dafür biete der Verein ja auch etwas, ergänzt Christian Knapp: Es entstünden Arbeitsplätze, es gebe einen Veranstaltungsraum und es bringe auch weiteres Leben in die Stadt.

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